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KLASSIKER WIE PANERAI SIND IMMER INNOVATIV.

Kim-Eva Wempe im Gespräch mit Panerai-Chef Angelo Bonati.

Angelo Bonati ist nicht nur der Chef von Panerai, sondern auch ein echter Uhrenliebhaber und leidenschaftlicher Segler. Kim-Eva Wempe traf ihn auf seiner privaten Yacht an der italienischen Riviera.

Wie und wann er zu den Uhren gekommen ist? „Indem ich sie zerstört habe. Als Dreikäsehoch habe ich zu Hause die Tischuhr auseinandergenommen. Ich wollte wissen, wie dieses faszinierende, tickende Ding funktioniert. Leider war die Uhr danach kaputt“, Angelo Bonati lächelt. Was ihm einst Schelte eintrug, war in Wirklichkeit nichts anderes als der erste Schritt zu einer überaus erfolgreichen Karriere. Heute ist Bonati Chef von Panerai, der italienischen Traditionsuhrenmarke. Und von Beginn an einer der liebsten Lieferanten von Wempe Chefi n Kim-Eva Wempe. Bonati ist ein großer Fan des Segelsports, und Panerai sponsert eine Reihe von Regatten klassischer Yachten. Zum Erfahrungsaustausch trafen sich Kim-Eva Wempe und Angelo Bonati auf dessen privater Hallberg-Rassy-Yacht im Hafen von San Remo an der ligurischen Mittelmeerküste.

Die erste Uhr ...

Kim-Eva Wempe (KEW): Traumhafte Kulisse. Einen schöneren Platz für ein Interview kann es wohl kaum geben … Sie sind ja nicht nur Chef einer bekannten Uhrenmarke, sondern tatsächlich auch jemand, der Uhren liebt. Wann haben Sie Ihre erste richtige Uhr bekommen?

Angelo Bonati (AB): Mit 14, eine Longines, extraflach mit ovalem Zifferblatt. Ich war sehr stolz darauf, Longines war damals in Italien berühmt.

KEW: Haben Sie sie noch?

AB: Vermutlich, aber ehrlich gesagt, weiß ich nicht wo. Ich habe inzwischen so viele Uhren …

Von der Liebhaberei zur Profession ...

KEW: Wie sind Sie dann beruflich zu Uhren gekommen?

AB: : Ich habe 1980 mit Franco Cologni in seiner Firma Tobacco International in Mailand angefangen, die damals auch den italienischen Vertrieb für Cartier hatte. Anfangs haben wir edle Feuerzeuge vertrieben. Damals waren noch nicht Uhren die Statussymbole, sondern Feuerzeuge. Cologni war mein Mentor. Anfang der Neunziger hat mich ein Freund auf Panerai aufmerksam gemacht, zu der Zeit arbeitete ich aber noch für ein anderes Unternehmen. Ich wusste alles über Panerai. Ich war der beste Panerai-Spezialist in ganz Italien. Als ich dann gehört habe, dass die Vendôme Group (heute Richemont) interessiert ist, hab’ ich die Finger davon gelassen. Gegen so ein großes Unternehmen wollte ich nicht antreten. Bald darauf bekam ich einen Anruf, ob ich Panerai leiten wollte. Seitdem bin ich dabei. Dabei wollte ich damals eigentlich gar nicht mehr als angestellter Manager arbeiten. Aber die Liebe zu Panerai war stärker. Es war mein Schicksal.

KEW:
Wann war das?

AB: 1997. Bis 1992 hatte Panerai nur ans Militär geliefert. Man beachte, dass innerhalb von 60 Jahren nur 300 Stücke hergestellt worden sind.

KEW: Panerai hat eine sehr lange Tradition. Wie fing das alles an?

AB: In der Tat ist Panerai schon nahezu 150 Jahre alt. Guido Panerai startete das Unternehmen, das später Officine Panerai hieß, in Florenz mit einer feinmechanischen Fachwerkstatt. Nur kurze Zeit darauf, vermutlich schon im Jahre 1867, baute man bereits die ersten Borduhren für die italienische Marine. Die Herren Offiziere waren sehr zufrieden, vor allem weil Panerai bald eine besondere Erfindung machte. Die Zeiger und Ziffern der Instrumente waren mit dem extrem leuchtkräftigen Speziallack Radiomir beschichtet, und so konnte man sie auch in finsterster Nacht bestens ablesen. Das war natürlich fürs Militär ungeheuer wichtig. Auch die erste Radiomir-Taucheruhr von 1936 war so beschichtet.

KEW: Was zeichnet denn in Ihren Augen Panerai-Uhren besonders aus?

AB: Technische Innovationen – und unverwechselbares Design.

Weibliche Intuition ...?

KEW: Wir waren 1997 mit die Ersten, die die Uhren verkauft haben, also gleich von Beginn an. Und mein Mann war der Erste, den ich mit einer Panerai glücklich machen konnte. Aber gleich darauf war es eine Frau, die mich als stolze Besitzerin einer Luminor überraschte. Sie kennen sie. Kerstin Schmidt, die für unsere Werbung verantwortlich ist. Und seit zwei Wochen bin ich überglücklich – endlich habe ich meine 2006 in Genf bestellte California Dial am Arm!

AB: In der Tat mögen viele Frauen unsere Uhren, obwohl oder gerade weil sie ziemlich groß sind.

KEW: Warum, glauben Sie, mögen Frauen die Uhr so?

AB: Eine Panerai ist einfach anders als andere Uhren. Die Frauen fühlen sich mit so einer Uhr beschützt und sicher.

KEW: Panerai baut nicht nur Uhren, sondern auch Taucheruhren und Tiefenmesser.

AB: Ja, das liegt in unserer Tradition. Schauen Sie diesen Armkompass hier an. Davon haben wir 300 Stück gebaut. Und seit vier Jahren arbeiten wir an einer Taucheruhr mit Tiefenmesser, mit einem mechanischen Werk, aber auch einem Quarzelement – ohne elektronischen Captor würde sie nicht als professionelles Instrument ernst genommen. Damit kann man bis zu 120 Meter tief runtergehen.

Das maritime Erbe ...

KEW: Panerai hat ein ganz spezielles Verhältnis zum Meer. Sie selbst auch?

AB: Deswegen wollte ich ja, dass wir uns hier auf meiner Yacht treffen. Segeln ist eine große Leidenschaft von mir. Ich stamme aus der Gegend von Mailand. Als ich als Kind am Comer See zum ersten Mal ein Segelboot in Schräglage gesehen habe, war es um mich geschehen. So langsam habe ich mich dann von den oberitalienischen Seen zum Meer vorgearbeitet. Und seit sieben Jahren habe ich meine eigene Yacht. Diese 15 Meter lange Hallberg-Rassy ist die zweite „Why Not“.

KEW: Ein schönes Schiff. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass man das alleine segeln kann …

AB: Aber ja. Damit bin ich schon fünf Tage lang bis nach Sizilien gesegelt, ganz allein. Allerdings mit der Hilfe des Autopiloten. Man könnte damit sogar rund um die Welt segeln. Das Schiff ist jedenfalls dafür gebaut.

Über das Segeln ...

KEW: Braucht man nicht sehr lange, um richtig segeln zu lernen?

AB: Beim Segeln geht es nicht darum, etwas aus Büchern zu lernen. Viel wichtiger ist es, Erfahrungen zu machen, sein Schiff und das Revier zu kennen, das Wetter einschätzen und mit den unterschiedlichsten Verhältnissen umgehen zu können. Man darf sich nie nur auf die Elektronik verlassen. Mit dem Meer kann man keine Scherze machen. Auf einem Schiff kann immer, wirklich immer, etwas Unvorhergesehenes passieren. Darauf muss man richtig reagieren.

KEW: Segeln ist ja nicht nur Ihre private Leidenschaft, Panerai ist ja auch sehr aktiv im Segelsport. Wie kam das?

AB: Nun, eines Tages hat man mich gefragt, ob wir nicht einige Regatten klassischer Yachten sponsern könnten. Da habe ich sofort Ja gesagt. Meine eigene Leidenschaft fürs Segeln hat mir natürlich bei dieser Entscheidung geholfen. Panerai und Segeln verbindet nicht nur die Tradition, auch die gemeinsamen Werte stimmen, vor allem bei den klassischen Yachten: Ein Holzboot steht ja per se für Tradition und erstklassiges Handwerk, und die Messung der Zeit ist ein wesentliches Element der Navigation. Motorboote haben einfach keine Seele.

KEW: Was genau unterstützen Sie?

AB: Wir sponsern eine ganze Serie von Regatten für klassische Yachten, die Panerai Classic Yachts Challenge. Das beginnt im Frühjahr mit der Antigua Classic Week in der Karibik und endet mit den Régates Royales Ende September in Cannes. Dazwischen liegt eine Reihe von Regatten an der Côte d’Azur, vor Nantucket oder Sardinien.

KEW: Und was passiert da?

AB: Da kommen die schönsten klassischen Yachten der Welt zusammen, alte America’s-Cup-Yachten wie vergangenes Jahr die „Cotton Blossom II“ mit America’s-Cup-Legende Dennis Conner, dazu die von William Fife 1928 gebaute Sloop „Cambria“ oder der riesige, frisch restaurierte 46-Meter-Kutter „Lulworth“ von 1920. Segeln ist unser aller Leidenschaft, dann feiern wir große Seglerfeste. Zehntausende Menschen schauen vom Land und von Begleitbooten aus zu, wenn unsere Regatten laufen. Das ist ein wunderbares Bild.

KEW: Das hört sich fantastisch an.

AB:
Das müssen Sie unbedingt einmal erleben. In ein paar Jahren kann Panerai auch mit einem eigenen Schiff teilnehmen. Die Firma hat vergangenes Jahr in Antigua eine alte, 23 Meter lange Bermuda-Ketsch von 1936 gekauft, konstruiert vom Architekten William Fife. Ein tolles Boot. Das muss jetzt zirka drei Jahre lang restauriert werde. Das ist ein ganz schöner Aufwand.

Handwerkskunst und Luxus ...

KEW: Oh, da ist ja eine Wempe-Schiffsuhr!

AB:
Ja, die habe ich im Zubehörkatalog von Hallberg-Rassy gesehen und bei Ihnen bestellt. Ein sehr schönes Teil. So etwas gibt es nicht oft. Es ist wirklich erstklassige Qualität.

KEW:
Da freue ich mich aber!

AB: Ich weiß ja auch, dass Wempe als einer der ganz wenigen mechanische Schiffschronometer baut, gute alte Handwerksarbeit. So wie dieser Segelsack. Den hat ein Meister der Knoten aus der Normandie mir geschenkt. Alle Segler wollen, dass er immer wieder zu unseren Regatten kommt und ihnen Armbänder und Ähnliches macht.

KEW: Weil wir gerade beim Handwerk sind: Panerai ist eine italienische Marke und lässt seine Uhren im schweizerischen Neuchâtel fertigen. Warum?

AB: Ich würde sagen: Wir Italiener haben die Ideen und die technische Kreativität und die Schweizer das handwerkliche Wissen.

KEW: Bei Ihrem ersten eigenen Werk hat mich die lineare Gangreserve-Anzeige beeindruckt. Wie sehr sind Sie an Neuentwicklungen beteiligt?

AB: Das war meine Idee. Die habe ich selbst auf ein Stück Papier gezeichnet. Meine Leute haben gefragt: Sind Sie verrückt? Ich habe gesagt: Warum? Weil das ganz anders ist als bei anderen Uhren. Eben. Man muss alles mit Liebe und Leidenschaft machen. Reine Marketing-Ideen funktionieren nie. Man muss Träume haben dürfen.

KEW:
Nach dem ersten eigenen Werk haben Sie in Florenz die aktuellen Neuheiten vorgestellt, dazu gehören drei eigene Werke. Verraten Sie uns mehr?

AB: Die technischen Innovationen. Klassiker wie Panerai sind immer innovativ. Die Fachpresse war begeistert. Kaliber P.2004 ist ein Chrono-Monopulsante, ein Chronograph mit einem einzigen Drücker. Kaliber P.2003 hat zehn Tage Gangreserve und Automatik. Und beim Kaliber P.2005, dem Tourbillon, sieht man von oben nur einen kleinen blauen Punkt, der sich dreht. Alles andere sieht man nur von unten. Das ist keine Show-Uhr, ich wollte etwas sehr Technisches schaffen.

KEW: Ganz schön beeindruckend. Aber ich war ja von Anfang an ein großer Panerai-Fan. Sind edle Uhren für Sie eigentlich Luxus?

AB: Eine Panerai ist kein Luxus, wir nennen sie eine „Highend-Uhr“, mit der wir all unser Know-how und unsere Qualität beweisen wollen.

 
 
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